- Als Selbstständiger tragen Sie Ihre Krankenversicherungsbeiträge vollständig selbst – ohne Arbeitgeberzuschuss
- In der GKV richtet sich der Beitrag nach Ihrem Einkommen, in der PKV nach Alter und Gesundheitszustand
- Für junge und gesunde Selbstständige kann die PKV anfangs günstiger sein
- Die PKV kann im Alter deutlich teurer werden – eine Rückkehr in die GKV ist später oft nur eingeschränkt möglich
- Freiwillig GKV-versichert: Mindestbeitrag auch bei geringem Einkommen beachten
Grundlagen
Die Grundregel: Kein Arbeitgeber, kein Zuschuss
Im Angestelltenverhältnis teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Krankenversicherungsbeitrag je zur Hälfte. Als Selbstständiger fällt dieser Zuschuss komplett weg. Sie tragen den vollen Beitrag allein.
Das ist der entscheidende Unterschied, den viele Gründer erst nach dem Sprung in die Selbstständigkeit spüren. Wer vorher nur den Arbeitnehmeranteil gezahlt hat, spürt den vollen Beitrag in der Selbstständigkeit oft deutlich.
Grundsätzlich haben Sie als Selbstständiger zwei Optionen: die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder die private Krankenversicherung (PKV). Welche sich lohnt, hängt von Einkommen, Alter, Gesundheit und Lebensplanung ab.
GKV
Freiwillig in der GKV: planbar, aber bei höherem Einkommen oft teurer
Für viele ist das der einfachste Weg: ohne Gesundheitsprüfung und mit der Möglichkeit der Familienversicherung für Partner und Kinder.
Der Beitrag bemisst sich nach Ihrem beitragspflichtigen Einkommen. Aktuell liegt der allgemeine Beitragssatz bei 14,6 % plus Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse (im Schnitt rund 1,7 %, Stand 2026) – also grob im Bereich von rund 16 % Ihres beitragspflichtigen Einkommens, abhängig vom Zusatzbeitrag der Kasse.
Nach oben ist der Beitrag durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Wer mehr verdient, zahlt nicht mehr als den Höchstbeitrag auf Basis der Beitragsbemessungsgrenze.
Vorteile der GKV auf einen Blick
- Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen können beitragsfrei mitversichert werden
- Keine Gesundheitsprüfung – Sie werden nicht wegen Vorerkrankungen abgelehnt
- Beitrag richtet sich nach dem Einkommen und bleibt im System der gesetzlichen Versicherung planbarer
- Kein vergleichbares Beitragsrisiko im Alter wie bei ungünstigen PKV-Verläufen
PKV
Die PKV: Oft günstiger am Anfang – aber mit Risiken
Für junge und gesunde Selbstständige ohne Kinder kann die private Krankenversicherung deutlich günstiger sein als freiwillige GKV-Beiträge. Wie groß der Beitrags- und Leistungsunterschied ausfällt, hängt von Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif ab.
Die PKV kann anfangs günstiger sein, langfristig aber deutlich teurer werden. Gerade dieser Effekt wird von vielen Selbstständigen am Anfang unterschätzt.
Das kann anfangs attraktiv wirken. Die PKV bietet oft bessere Leistungen: Chefarztbehandlung, Einzelzimmer im Krankenhaus, kürzere Wartezeiten beim Spezialisten. Langfristig können die Beiträge mit dem Alter deutlich steigen.
Vergleich
GKV vs. PKV: Der direkte Vergleich
Es gibt keine universell richtige Wahl – aber es gibt klare Kriterien, nach denen Sie Ihre Entscheidung treffen können. Hier die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
- + Kinder & Partner kostenlos mitversichert
- + Keine Gesundheitsprüfung
- + Beitrag im Alter bleibt planbar
- + Krankengeld ab 6 Wochen (mit Zusatzbaustein)
- − Beitrag steigt mit dem Einkommen
- − Leistungen sind weitgehend standardisiert
- − Mindestbeitrag auch bei niedrigem Gewinn
- + Oft günstiger für junge und gesunde Selbstständige
- + Je nach Tarif umfangreichere Leistungen
- + Beitrag unabhängig vom Einkommen
- + Individuell anpassbare Tarife
- − Beiträge können im Alter deutlich steigen
- − Kinder müssen extra versichert werden
- − Gesundheitsprüfung bei Eintritt
- − Spätere Rückkehr in die GKV oft nur eingeschränkt möglich
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Jünger, ledig, keine Vorerkrankungen | PKV prüfen | Im Einzelfall günstigerer Einstieg bei zugleich oft stärkeren Leistungen |
| Familie mit Kindern | GKV | Die beitragsfreie Familienversicherung kann ein wichtiger Vorteil sein |
| Geringes Einkommen | GKV häufig naheliegend | Der GKV-Mindestbeitrag ist oft besser planbar als ein ungeeigneter PKV-Tarif |
| Hohes Einkommen | PKV prüfen | Im Einzelfall kann die PKV günstiger sein als der freiwillige GKV-Höchstbeitrag |
| Höheres Eintrittsalter oder Vorerkrankungen | GKV häufig naheliegend | PKV kann teurer werden oder der Zugang erschwert sein |
Krankengeld
Krankengeld: wichtige Absicherungslücke
Angestellte sind im Krankheitsfall zunächst über die Lohnfortzahlung abgesichert; danach kann Krankengeld relevant werden. Für Selbstständige gilt das nicht automatisch – und das ist ein ernstes Problem.
In der GKV können Selbstständige freiwillig einen Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag einschließen. Das sollte bei der Absicherung frühzeitig mitgeprüft werden.
Wechsel & Fristen
Wechsel und Fristen: Was Sie wissen müssen
Beim Wechsel aus dem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit sollten Fristen und Voraussetzungen für die freiwillige GKV-Mitgliedschaft frühzeitig mit der bisherigen Kasse geklärt werden. Wer zu spät handelt, riskiert Nachteile bei der Weiterversicherung in der GKV.
- Sofort nach Gründung handeln: Informieren Sie Ihre bisherige Krankenkasse über die Aufnahme der Selbstständigkeit. Maßgebliche Fristen sollten direkt mit der bisherigen Krankenkasse geklärt werden.
- PKV-Angebote einholen und vergleichen: Holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie diese auf Basis eines möglichst ähnlichen Leistungsniveaus.
- Entscheidung dokumentieren: Egal für welche Option: Halten Sie die Entscheidung schriftlich fest. So lassen sich Nachweise und spätere Rückfragen besser nachvollziehen.
- Steuerliche Einordnung der Beiträge prüfen: Beiträge zur Krankenversicherung sind steuerlich relevant. Wie sie sich auswirken, hängt von Art der Absicherung und Ihrer persönlichen Situation ab.
Häufige Fragen zur Krankenversicherung für Selbstständige
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