Absicherung & Versicherung

Krankenversicherung als Selbstständiger: GKV oder PKV – was passt besser?

Als Selbstständiger tragen Sie Ihre Krankenversicherungsbeiträge selbst. Welche Lösung besser passt, hängt vor allem von Einkommen, Alter, Familienplanung, Gesundheitszustand und Ihrer langfristigen Lebenssituation ab.

Geprüft & geschrieben von Firmendo
29. Mai 2026
ca. 8 Min. Lesezeit
Arzt mit verschränkten Armen und Stethoskop
Das Wichtigste in Kürze
  • Als Selbstständiger tragen Sie Ihre Krankenversicherungsbeiträge vollständig selbstohne Arbeitgeberzuschuss
  • In der GKV richtet sich der Beitrag nach Ihrem Einkommen, in der PKV nach Alter und Gesundheitszustand
  • Für junge und gesunde Selbstständige kann die PKV anfangs günstiger sein
  • Die PKV kann im Alter deutlich teurer werden – eine Rückkehr in die GKV ist später oft nur eingeschränkt möglich
  • Freiwillig GKV-versichert: Mindestbeitrag auch bei geringem Einkommen beachten
Einkommensabhängig
Beitrag in der GKV richtet sich nach dem beitragspflichtigen Einkommen
Gesundheitsprüfung
PKV verlangt beim Eintritt eine Gesundheitsprüfung
Nur GKV
Familienversicherung für Kinder und Partner ohne eigenes Einkommen

Grundlagen

Die Grundregel: Kein Arbeitgeber, kein Zuschuss

Im Angestelltenverhältnis teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Krankenversicherungsbeitrag je zur Hälfte. Als Selbstständiger fällt dieser Zuschuss komplett weg. Sie tragen den vollen Beitrag allein.

Das ist der entscheidende Unterschied, den viele Gründer erst nach dem Sprung in die Selbstständigkeit spüren. Wer vorher nur den Arbeitnehmeranteil gezahlt hat, spürt den vollen Beitrag in der Selbstständigkeit oft deutlich.

Achtung beim Start: Sie sind verpflichtet, sich ab dem ersten Tag Ihrer Selbstständigkeit zu versichern. Eine Lücke in der Krankenversicherung ist nicht nur riskant – Kassen können Beiträge für unversicherte Zeiten rückwirkend einfordern.

Grundsätzlich haben Sie als Selbstständiger zwei Optionen: die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder die private Krankenversicherung (PKV). Welche sich lohnt, hängt von Einkommen, Alter, Gesundheit und Lebensplanung ab.


GKV

Freiwillig in der GKV: planbar, aber bei höherem Einkommen oft teurer

Für viele ist das der einfachste Weg: ohne Gesundheitsprüfung und mit der Möglichkeit der Familienversicherung für Partner und Kinder.

Der Beitrag bemisst sich nach Ihrem beitragspflichtigen Einkommen. Aktuell liegt der allgemeine Beitragssatz bei 14,6 % plus Zusatzbeitrag der jeweiligen Kasse (im Schnitt rund 1,7 %, Stand 2026) – also grob im Bereich von rund 16 % Ihres beitragspflichtigen Einkommens, abhängig vom Zusatzbeitrag der Kasse.

Wichtig zu wissen: Es gibt einen Mindestbeitrag in der GKV – auch wenn Ihr Einkommen sehr gering ist. Dieser basiert auf einer Mindestbemessungsgrundlage, die regelmäßig angepasst wird. Daraus ergibt sich selbst bei geringem Einkommen ein spürbarer Mindestbeitrag.

Nach oben ist der Beitrag durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Wer mehr verdient, zahlt nicht mehr als den Höchstbeitrag auf Basis der Beitragsbemessungsgrenze.

Vorteile der GKV auf einen Blick


PKV

Die PKV: Oft günstiger am Anfang – aber mit Risiken

Für junge und gesunde Selbstständige ohne Kinder kann die private Krankenversicherung deutlich günstiger sein als freiwillige GKV-Beiträge. Wie groß der Beitrags- und Leistungsunterschied ausfällt, hängt von Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif ab.

Die PKV kann anfangs günstiger sein, langfristig aber deutlich teurer werden. Gerade dieser Effekt wird von vielen Selbstständigen am Anfang unterschätzt.

Das kann anfangs attraktiv wirken. Die PKV bietet oft bessere Leistungen: Chefarztbehandlung, Einzelzimmer im Krankenhaus, kürzere Wartezeiten beim Spezialisten. Langfristig können die Beiträge mit dem Alter deutlich steigen.

Das unterschätzte Risiko: PKV-Beiträge können im Alter deutlich steigen. Wer dann geringe laufende Einkünfte hat, sollte frühzeitig prüfen, wie tragfähig der Tarif langfristig bleibt. Eine spätere Rückkehr in die GKV ist häufig nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

Vergleich

GKV vs. PKV: Der direkte Vergleich

Es gibt keine universell richtige Wahl – aber es gibt klare Kriterien, nach denen Sie Ihre Entscheidung treffen können. Hier die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
  • + Kinder & Partner kostenlos mitversichert
  • + Keine Gesundheitsprüfung
  • + Beitrag im Alter bleibt planbar
  • + Krankengeld ab 6 Wochen (mit Zusatzbaustein)
  • Beitrag steigt mit dem Einkommen
  • Leistungen sind weitgehend standardisiert
  • Mindestbeitrag auch bei niedrigem Gewinn
Private Krankenversicherung (PKV)
Oft günstiger am Anfang
  • + Oft günstiger für junge und gesunde Selbstständige
  • + Je nach Tarif umfangreichere Leistungen
  • + Beitrag unabhängig vom Einkommen
  • + Individuell anpassbare Tarife
  • Beiträge können im Alter deutlich steigen
  • Kinder müssen extra versichert werden
  • Gesundheitsprüfung bei Eintritt
  • Spätere Rückkehr in die GKV oft nur eingeschränkt möglich
Situation Empfehlung Begründung
Jünger, ledig, keine Vorerkrankungen PKV prüfen Im Einzelfall günstigerer Einstieg bei zugleich oft stärkeren Leistungen
Familie mit Kindern GKV Die beitragsfreie Familienversicherung kann ein wichtiger Vorteil sein
Geringes Einkommen GKV häufig naheliegend Der GKV-Mindestbeitrag ist oft besser planbar als ein ungeeigneter PKV-Tarif
Hohes Einkommen PKV prüfen Im Einzelfall kann die PKV günstiger sein als der freiwillige GKV-Höchstbeitrag
Höheres Eintrittsalter oder Vorerkrankungen GKV häufig naheliegend PKV kann teurer werden oder der Zugang erschwert sein

Krankengeld

Krankengeld: wichtige Absicherungslücke

Angestellte sind im Krankheitsfall zunächst über die Lohnfortzahlung abgesichert; danach kann Krankengeld relevant werden. Für Selbstständige gilt das nicht automatisch – und das ist ein ernstes Problem.

In der GKV können Selbstständige freiwillig einen Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag einschließen. Das sollte bei der Absicherung frühzeitig mitgeprüft werden.

Absicherung im Krankheitsfall – Checkliste

Wechsel & Fristen

Wechsel und Fristen: Was Sie wissen müssen

Beim Wechsel aus dem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit sollten Fristen und Voraussetzungen für die freiwillige GKV-Mitgliedschaft frühzeitig mit der bisherigen Kasse geklärt werden. Wer zu spät handelt, riskiert Nachteile bei der Weiterversicherung in der GKV.

  1. Sofort nach Gründung handeln: Informieren Sie Ihre bisherige Krankenkasse über die Aufnahme der Selbstständigkeit. Maßgebliche Fristen sollten direkt mit der bisherigen Krankenkasse geklärt werden.
  2. PKV-Angebote einholen und vergleichen: Holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie diese auf Basis eines möglichst ähnlichen Leistungsniveaus.
  3. Entscheidung dokumentieren: Egal für welche Option: Halten Sie die Entscheidung schriftlich fest. So lassen sich Nachweise und spätere Rückfragen besser nachvollziehen.
  4. Steuerliche Einordnung der Beiträge prüfen: Beiträge zur Krankenversicherung sind steuerlich relevant. Wie sie sich auswirken, hängt von Art der Absicherung und Ihrer persönlichen Situation ab.
Steuer-Tipp: Krankenversicherungsbeiträge sind je nach Art der Absicherung steuerlich relevant. Für Selbstständige ohne Arbeitgeberzuschuss kann dieser Abzug spürbar sein. Die genaue Einordnung hängt vom Tarif und der persönlichen Situation ab – eine steuerliche Einordnung kann hier sinnvoll sein.

FAQ

Häufige Fragen zur Krankenversicherung für Selbstständige

Müssen Selbstständige sich selbst krankenversichern? +
Ja. Anders als Angestellte erhalten Selbstständige in der Regel keinen Arbeitgeberzuschuss und müssen ihre Krankenversicherung eigenständig organisieren und finanzieren.
Ist für Selbstständige eher GKV oder PKV sinnvoll? +
Das hängt von Einkommen, Alter, Familienplanung, Gesundheitszustand und gewünschtem Leistungsniveau ab. Für manche ist die GKV naheliegend, für andere kann die PKV im Einzelfall interessant sein.
Wie hoch sind die Beiträge in der GKV für Selbstständige? +
Die Beiträge richten sich grundsätzlich nach dem Einkommen, wobei für Selbstständige bestimmte Mindest- und Höchstgrenzen relevant sein können. Maßgeblich ist die jeweilige Berechnungsgrundlage Ihrer Krankenkasse.
Brauche ich als Selbstständiger zusätzlich Krankengeld oder Krankentagegeld? +
Das sollte unbedingt geprüft werden. Weil Selbstständige keinen automatischen Schutz wie die Lohnfortzahlung haben, kann eine passende Absicherung im Krankheitsfall sehr wichtig sein.
Kann ich später von der PKV zurück in die GKV wechseln? +
Ein Rückweg ist nicht immer einfach und hängt stark von Alter, Status und künftiger Erwerbssituation ab. Gerade deshalb sollte die Entscheidung für die PKV langfristig durchdacht sein.
Sind Krankenversicherungsbeiträge steuerlich relevant? +
Ja, Krankenversicherungsbeiträge können steuerlich relevant sein. Wie stark sie sich auswirken, hängt von der Art der Absicherung und Ihrer persönlichen steuerlichen Situation ab.

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