- Nach § 675h BGB können Kunden ein Geschäftskonto grundsätzlich jederzeit kündigen; eine vereinbarte Frist darf höchstens einen Monat betragen.
- Bei Geschäftskunden darf von dieser Regel vertraglich abgewichen werden (§ 675e Abs. 4 BGB) – deshalb zählt am Ende der Kontovertrag samt AGB.
- Im Voraus gezahlte Kontoführungsgebühren sind anteilig zu erstatten, und die Kündigung selbst darf nichts kosten.
- Vor der Kündigung sollten Sie Daueraufträge, Lastschriften und Zahlungspartner auf das neue Konto umstellen.
- Ob die Kündigung schriftlich, per App, per Formular oder in der Filiale erfolgen muss, hängt vom Anbieter ab.
- Steuerlich relevante Kontoauszüge sollten Sie vor der Schließung vollständig sichern und geordnet archivieren.
- Ein Kontowechsel gelingt am sichersten, wenn das neue Geschäftskonto bereits aktiv eingerichtet ist.
Kündigungsgründe
Wann macht eine Kündigung Sinn?
Wer sein Geschäftskonto schließen will, hat es organisatorisch meist leicht – vorbereitet sein sollte der Wechsel trotzdem. Häufige Gründe für die Kündigung sind dauerhaft zu hohe Kontoführungsgebühren, unpassende Leistungen, fehlende Schnittstellen zur Buchhaltung, unzureichender Kundenservice oder ein Anbieterwechsel zu einem besser geeigneten Geschäftskonto.
Manchmal gibt es auch einen konkreten Anlass für die Kontoauflösung: Das Unternehmen wird beendet, die Rechtsform ändert sich, das bisherige Konto passt nicht mehr zum Geschäftsmodell oder die Bank stellt Bedingungen auf, die nicht mehr zum Unternehmen passen. Auch beim Wechsel vom Einzelunternehmen zu einer Kapitalgesellschaft ist oft ein neues Geschäftskonto auf den korrekten Firmennamen sinnvoll.
Einige Banken und Finanz-Apps unterstützen beim Kontowechsel, etwa durch Übersichten zu Zahlungspartnern oder Hilfen bei der Umstellung. Verlassen Sie sich trotzdem nicht ausschließlich darauf, sondern prüfen Sie alle relevanten Buchungen und Zahlungsempfänger selbst.
Fristen
Kündigungsfristen: Was Sie wissen müssen
Für Zahlungskonten gibt es einen gesetzlichen Rahmen: Nach § 675h BGB kann der Kontoinhaber den Zahlungsdiensterahmenvertrag jederzeit ohne Kündigungsfrist kündigen, sofern keine Kündigungsfrist vereinbart wurde. Die Vereinbarung einer Kündigungsfrist von mehr als einem Monat ist unwirksam. Die Bank selbst kann ordentlich nur kündigen, wenn der Vertrag unbefristet ist und ein Kündigungsrecht vereinbart wurde – mit einer Frist von mindestens zwei Monaten.
Grobe Orientierung, keine geprüften Kündigungsbedingungen einzelner Banken: Die folgende Tabelle zeigt mögliche Regelungen und Kündigungswege. Aus dem Anbietertyp allein lässt sich keine verbindliche Frist oder Mindestlaufzeit ableiten. Prüfen Sie immer Ihren konkreten Kontovertrag.
| Anbieter-Typ | Mögliche Regelung | Mindestlaufzeit | Kündigung per |
|---|---|---|---|
| Klassische Filialbank | individuell im Kontovertrag | teilweise vorhanden | schriftlich, Filiale oder Formular |
| Online-Bank / Neobank | kurzfristig oder mit vereinbarter Frist | vertraglich prüfen | App, Formular, E-Mail oder Post je nach Anbieter |
| Sparkasse / Volksbank | instituts- und vertragsabhängig | abhängig vom Modell | schriftlich oder in der Filiale |
| Genossenschaftsbank | abhängig von Konto und Mitgliedschaft | Mitgliedschaft gesondert prüfen | schriftlich / Filiale |
Die Frist beginnt in der Regel mit dem Eingang Ihrer Kündigung bei der Bank. Wichtig ist, dass die Kündigung in der vom Anbieter vorgesehenen Form wirksam eingeht und der Zugang im Zweifel nachvollziehbar ist.
Bekomme ich Kontoführungsgebühren zurück?
Ja, in der Regel anteilig. § 675h Abs. 3 BGB regelt: Regelmäßig erhobene Entgelte sind nur bis zur Beendigung des Vertrags zu zahlen, im Voraus gezahlte Entgelte für die Zeit danach sind anteilig zu erstatten. Für die Kündigung selbst darf die Bank kein Entgelt verlangen (§ 675h Abs. 4 BGB). Auch hier gilt die Einschränkung aus § 675e Abs. 4 BGB: Bei Geschäftskonten kann der Vertrag abweichende Regelungen enthalten – ein Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnis lohnt sich.
Wenn die Bank das Geschäftskonto kündigt
Auch der umgekehrte Fall kommt vor. Nach § 675h Abs. 2 BGB kann die Bank den Zahlungsdiensterahmenvertrag ordentlich kündigen, wenn er auf unbestimmte Zeit läuft und ein Kündigungsrecht vereinbart ist; die Frist beträgt dann mindestens zwei Monate. Bei Nichtverbrauchern sind abweichende Vereinbarungen nach § 675e Abs. 4 BGB möglich. Eine fristlose Kündigung aus wichtigem Grund setzt nach § 314 BGB voraus, dass die Fortsetzung unter Abwägung der beiderseitigen Interessen unzumutbar ist; bei Vertragsverletzungen ist grundsätzlich zunächst eine Abhilfefrist oder Abmahnung erforderlich. Wird Ihr Geschäftskonto gekündigt, sollten Sie sofort ein neues Konto eröffnen, die Bank um eine schriftliche Begründung bitten und alle Zahlungspartner umstellen.
Vorbereitung
Checkliste: Was Sie vor der Kündigung erledigen müssen
Das Kündigen selbst dauert fünf Minuten. Die Vorbereitung entscheidet darüber, ob danach alles reibungslos läuft – oder ob plötzlich Gehaltszahlungen ins Leere laufen oder Lastschriften fehlschlagen. Gehen Sie diese Liste Schritt für Schritt durch, bevor Sie das Kündigungsschreiben absenden.
Kontowechsel
Kontowechselservice: Gilt er auch für Geschäftskonten?
Beim privaten Girokonto gibt es die gesetzliche Kontowechselhilfe nach dem Zahlungskontengesetz (ZKG): Die neue Bank fordert die Daten an, die alte liefert, Daueraufträge und Lastschriften werden übernommen. Der Haken: Dieser Anspruch gilt nur für Verbraucher. Wer ein Geschäftskonto wechseln möchte, hat keinen gesetzlichen Anspruch auf den Kontowechselservice.
| Kontowechselservice | Privates Girokonto | Geschäftskonto |
|---|---|---|
| Gesetzlicher Anspruch | Ja, nach dem Zahlungskontengesetz | Nein – nur freiwillige Angebote der Banken |
| Fristen | Neue Bank fragt binnen zwei Geschäftstagen nach Erhalt der Ermächtigung an; die alte Bank liefert binnen fünf Geschäftstagen nach Erhalt der Aufforderung | Je nach Anbieter, ohne gesetzliche Vorgabe |
| Daten aus dem Altkonto | Bestehende Daueraufträge, verfügbare Informationen zu Lastschriftmandaten sowie eingehende Überweisungen und vom Zahlungsempfänger veranlasste Lastschriften der letzten 13 Monate | Selbst exportieren und prüfen |
Kontowechselservice Geschäftskonto: Einige Banken bieten ihn trotzdem für Geschäftskunden an oder stellen wenigstens eine Liste der Zahlungspartner bereit. Fragen Sie beim neuen Anbieter nach, bevor Sie kündigen – und planen Sie im Zweifel ein, die Umstellung selbst zu erledigen.
Schritt für Schritt
Schritt-für-Schritt: So kündigen Sie korrekt
Die eigentliche Kündigung ist schnell erledigt – wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen. Gehen Sie diese Schritte der Reihe nach durch, um keine bösen Überraschungen zu erleben.
- AGB der Bank prüfen: Schauen Sie in Ihren Kontovertrag oder die AGB Ihrer Bank: Welche Kündigungsfrist gilt? Gibt es eine besondere Form (schriftlich, per App, in der Filiale)?
- Neues Konto eröffnen: Eröffnen Sie zuerst das neue Konto – erst wenn die IBAN vorliegt, können Sie alle Zahlungspartner korrekt informieren und den Wechsel vorbereiten.
- Vorbereitungen abschließen: Alle Daueraufträge, Lastschriften und Zahlungspartner umgestellt? Alle Kontoauszüge exportiert? Erst dann kündigen.
- Kündigung in der richtigen Form vorbereiten: Nutzen Sie das Musterschreiben weiter unten, wenn Ihre Bank eine schriftliche Kündigung verlangt. Achten Sie in jedem Fall auf vollständige Angaben wie Name, Adresse, Kontonummer, IBAN und gewünschtes Auflösungsdatum.
- Kündigung absenden und Zugang dokumentieren: Senden Sie die Kündigung in der von der Bank vorgesehenen Form ab. Wenn ein schriftliches Schreiben erforderlich ist, kann ein Versand mit Zugangsnachweis sinnvoll sein.
- Bestätigung der Bank abwarten: Die meisten Banken senden eine schriftliche Kündigungsbestätigung. Bewahren Sie dieses Dokument auf – Sie brauchen es im Zweifel als Nachweis.
- Guthaben übertragen, Konto auflösen: Kurz vor dem Stichtag: verbleibendes Guthaben auf das neue Konto überweisen. Danach sollte das alte Konto geschlossen werden – prüfen Sie anschließend die Abschlussabrechnung der Bank sorgfältig.
Musterschreiben
Musterschreiben: Kündigung Geschäftskonto
Konto kündigen: Vorlage zum Kopieren. Verwenden Sie dieses Muster als Vorlage, passen Sie die markierten Felder an Ihre Daten an und senden Sie das Schreiben in der Form, die Ihre Bank laut Vertrag oder AGB verlangt. Das Schreiben passt auch, wenn Sie ein anderes Bankkonto kündigen: Vorlage anpassen, Kontonummer und IBAN eintragen, fertig.
[Ihr vollständiger Name / Firmenname]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ und Ort]
[Name der Bank]
[Adresse der Bank]
[Ort], [Datum]
Kündigung meines Geschäftskontos
Kontonummer: [Ihre Kontonummer]
IBAN: [Ihre IBAN]
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich das oben genannte Geschäftskonto fristgerecht zum [gewünschtes Datum, z. B. 31.12.2026], hilfsweise zum nächstmöglichen Termin.
Ich bitte Sie, mir den Kontostand zum Kündigungstermin sowie die Auflösungsbestätigung schriftlich zuzusenden. Ein etwaiges Restguthaben bitte ich auf folgendes Konto zu überweisen:
IBAN des neuen Kontos: [neue IBAN]
BIC: [neuer BIC]
Kreditinstitut: [Name der neuen Bank]
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieser Kündigung sowie das genaue Auflösungsdatum.
Mit freundlichen Grüßen,
[Unterschrift]
[Name]
Anbieter
Geschäftskonto bei einzelnen Banken kündigen
Für Firmenkonten gilt derselbe gesetzliche Rahmen, die vertraglichen Kündigungsbedingungen und Wege können sich aber unterscheiden. Prüfen Sie beim jeweiligen Anbieter, ob Sie etwa ein Schreiben, ein Formular oder eine Funktion im Banking-Bereich nutzen können. Unsere Tests helfen bei der Einordnung der einzelnen Banken; verbindlich für Ihre Kündigung sind Ihr Vertrag und die aktuellen Bedingungen:
- Commerzbank Geschäftskonto, Deutsche Bank, Postbank und HypoVereinsbank als klassische Filialbanken
- DKB, ING und FYRST als Direktbanken
- Qonto, Finom, Holvi, Vivid und Kontist als digitale Anbieter
Wenn Sie Ihr Konto kündigen, prüfen Sie vor dem Absenden, ob der Anbieter ein eigenes Formular verlangt und ob neben dem Konto weitere Produkte wie Karten, Kredite oder eine Mitgliedschaft gesondert gekündigt werden müssen.
Fehler vermeiden
Die 4 häufigsten Fehler bei der Kündigung
Viele Selbstständige machen beim Kontowechsel dieselben Fehler – die dann Wochen oder Monate später zu Problemen führen. Hier sind die größten Stolperfallen:
Fehler 1: Kündigen, bevor das neue Konto eingerichtet ist
Klingt offensichtlich, passiert aber häufig. Wer kündigt, bevor das neue Konto eröffnet und funktionsfähig ist, riskiert, dass eingehende Zahlungen nirgendwo ankommen. Zuerst öffnen, dann kündigen.
Fehler 2: Laufende Abbuchungen vergessen
Steuervorauszahlungen, Versicherungsprämien, Software-Abos, Miete für das Büro – all das wird oft jahrelang automatisch abgebucht und gerät in Vergessenheit. Eine fehlgeschlagene Lastschrift kostet Gebühren und kann im schlimmsten Fall Verträge gefährden.
Fehler 3: Kontoauszüge nicht sichern
Nach der Kontoauflösung haben Sie in der Regel keinen Zugriff mehr auf alte Kontoauszüge im Online-Banking. Sichern Sie vor der Kontoauflösung alle steuerlich relevanten Kontoauszüge und Unterlagen vollständig. Für aufbewahrungspflichtige Geschäftsunterlagen gelten je nach Dokument gesetzliche Aufbewahrungsfristen, weshalb ein vollständiger Export vor der Schließung sehr wichtig ist.
Fehler 4: Hinterlegte Bankverbindung nicht rechtzeitig aktualisieren
Steuererstattungen und Lastschriften für Vorauszahlungen laufen über die beim Finanzamt hinterlegte Bankverbindung. Eine fehlende Aktualisierung verzögert Erstattungen oder führt zu Lastschrift-Rückgaben – mit möglichen Mahngebühren.
Steuerfragen
Steuerliche Pflichten beim Kontowechsel
Beim Wechsel oder bei der Schließung eines Geschäftskontos geht es nicht nur um die Kündigung selbst. Wichtig ist auch, dass steuerlich relevante Unterlagen gesichert und Zahlungsdaten an allen wichtigen Stellen rechtzeitig aktualisiert werden.
Acht oder zehn Jahre? Rechnungen sind für Zwecke der Umsatzsteuer grundsätzlich acht Jahre aufzubewahren (§ 14b UStG). Für Buchungsbelege, etwa Kontoauszüge mit Belegfunktion, gelten nach § 147 Abs. 3 AO ebenfalls acht Jahre; Bücher, Aufzeichnungen, Inventare und Jahresabschlüsse sind grundsätzlich zehn Jahre aufzubewahren. Steuerlich relevante Unterlagen können länger benötigt werden, wenn die betreffende Festsetzungsfrist noch nicht abgelaufen ist. Die Kontoschließung verkürzt diese Fristen nicht. Zur Rechnungsarchivierung lesen Sie auch Rechnungen schreiben als Selbstständiger und E-Rechnung 2027.
| Pflicht | Zeitpunkt | Wo relevant? |
|---|---|---|
| Kontoauszüge und Buchungsunterlagen sichern | vor Kontoschließung | Buchhaltung / Steuerunterlagen |
| Neue Bankverbindung für Steuerzahlungen prüfen | nach Eröffnung des neuen Kontos | Finanzamt / ELSTER |
| SEPA-Mandate und Lastschriften aktualisieren | vor dem nächsten Fälligkeitstermin | Finanzamt, Versicherungen, Anbieter |
| Zahlungsdaten in Buchhaltungssoftware anpassen | zeitnah nach Kontowechsel | Buchhaltung / Steuerberatung |
| Geschäftspartner und Vertragspartner informieren | vor bzw. direkt nach dem Wechsel | Rechnungen / Zahlungseingänge |
Bevor das alte Geschäftskonto geschlossen wird, sollten alle relevanten Auszüge und Buchungsdaten vollständig gesichert sein. Genau das wird beim Kontowechsel am häufigsten unterschätzt.
Häufige Fragen zur Kündigung eines Geschäftskontos
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